Termine

+++ Montag 23.02.2026, 20:30 Uhr:
Theater Rampe, Filderstrasse 47, Stuttgart

Filmvorführung "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" (D, 1971, 67 min., FSK 16)

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Inhaltsangabe: Daniel, ein junger Mann aus der Provinz, kommt nach Berlin und trifft dort zufällig Clemens. Beide erleben die große Liebe. Sie ziehen zusammen und versuchen, die bürgerliche Ehe zu kopieren. Doch nach vier Monaten endet das große Glück. Daniel hat inzwischen einen älteren, reichen Mann kennengelernt und zieht zu ihm in dessen Villa. Als dieser ihn betrügt, löst sich Daniel von der Beziehung und taucht in die Schwulenszene der Großstadt ein
 
"Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt"  kritisierte nicht fremde Unterdrücker, sondern das eigene Lager. Die These: Die Situation, in der der Homosexuelle lebt, ist (auch) hausgemacht – Verwirrung, Empörung, Bestürzung im Schwulenlager war die Folge, aber auch Bewegung, Aktion, coming out und Solidarität. 
Der Film wurde als Stummfilm gedreht, nachträglich wurde die Tonspur mit Dialogen und sozialkritischen und provokanten Kommentaren unterlegt, um einen vorzeitigen Abbruch der Dreharbeiten durch Produktionsverantwortliche zu vermeiden. Die dabei entstandene Asynchronität wurde bewusst als Stilmittel eingesetzt. Der Film zeigte zum ersten Mal im deutschen Fernsehen einen Kuss zwischen zwei Männern. 
 
Die Ausstrahlung des Films 1972 wurde zum Skandal, der WDR, der den Film in Auftrag gegeben hatte, war der einzige Sender, der den Film sendete. Die vorgesehene parallele Aufführung beim ARD wurde kurzfristig abgesagt. Erst im darauffolgenden Jahr zeigte die ARD den umstrittenen Film. Bayern schaltete sich vorübergehend aus dem Gemeinschaftsprogramm aus, was erneut zu einem Medienskandal führte.
 
Rosa von Praunheim war Filmemacher, Aktivist und Ikone der Schwulenbewegung: Am 17. Dezember 2025 ist Rosa von Praunheim im Alter von 83 Jahren gestorben. Er war ein kompromissloser Streiter für die Sichtbarkeit schwuler Lebensrealität und Emanzipation.  Der Film- und Theaterregisseur drehte in mehr als 50 Jahren über 150 Kurz- und Langfilme, bei denen queere Sujets im Mittelpunkt standen. Mit seinem Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" wurde er 1971 zu einer der ersten öffentlichen Figuren der beginnenden politischen Lesben- und Schwulenbewegung in der Bundesrepublik.
 
Eine Veranstaltung der Montagegruppe in Kooperation mit dem CSD Stuttgart