Lebenshilfe

Am 20.08.2008, 14:17:37 Uhr schrieb Jrgen Jankowitsch

ALELA DIANE + CAVE SINGERS ROUNDHOUSE LONDON 18.08.2008 LIVE REVIEW

 

ALELA DIANE + CAVE SINGERS ROUNDHOUSE LONDON 18.08.2008 LIVE REVIEW

Welch legendärer und toller Veranstaltungsort - ursprünglich zum Reparieren von Lokomotiven erbaut, stand das runde Gebäude erstmal nach dem 2. Weltkrieg bis Mitte der 60er Jahre leer. Soft Machine und Pink Floyd eröffneten im Oktober 1966 das alte Roundhouse, zu dem ab 1968 auch immer ein Aufnahmestudio gehörte.

Bis 1983 spielte im Roundhouse so ziemlich alles was Rang und Namen hatte. Wegen der tollen Akustik und der kurzen Wege bezüglich des Aufnahmestudios gibt es auch viele Livealben, die im Roundhouse mitgeschnitten und abgemischt wurden. Dazu nahmen z.B. AC/DC „Highway to Hell" größtenteils in den Roundhouse Studios auf und auch die berühmten Vocalparts von „Bohemian Rhapsody" sind dort entstanden.

1983 war dann erstmal Schluss, da es Querelen mit den Kommunen und internes Missmanagement gab. 2005/2006 wurde das Gebäude von Investoren aufwendig restauriert und dann am 01.06.2006 als Kultur- und Veranstaltungszentrum wiedereröffnet.

Als Support betraten zuerst die Cave Singers aus Seattle die Bühne. Man hat sofort gehört, dass die 3 vom Punk zum Folk oder was auch immer mutiert sind. Da ist viel Energie im Vortrag und in ihren besten Momenten haben sie mich ein wenig an die Violent Femmes erinnert.

Überpünktlich, wie in England ja bei Konzerten üblich, fing dann Alela Diane um kurz vor 21 Uhr an. Zuerst spielte sie „Clickety Clack" und „Pieces of String" alleine, bevor dann ihr Vater mit auf die Bühne kam. Wie sie später verriet, spielt der normal in einer „Grateful Dead" - Coverband und das Auftreten mit ihr ist nur sein Sideprojekt. Sie spielten zu zweit einige Stücke, darunter auch zwei neue, bevor dann ein Bassist und später dann noch ein Schlagzeuger die Bühne betraten. Dramaturgisch war dies richtig gut.

Geboten wurden alle Hits von „Tired Feets" über „The Cockoo" und „The Rifle" bis zum Abschluss des regulären Sets mit „A Pirate's Gospel". Lustig war es die Interaktion zwischen Tochter und Vater auf der Bühne zu beobachten, denn es ist wohl ursprünglich im Drehbuch nicht vorgesehen, dass der Vater mit dem Publikum spricht. Er wurde dann aber mehrfach dazu aufgefordert und tat es dann auch, was ihr jeweils sichtlich peinlich war. So ist das eben, wenn die extrovertierte Tochter mit ihrem stoffeligen Vater auf Tournee geht.

Musikalisch war der Vater Tom aber über alles erhaben und steuerte ein sehr erdiges Gitarren- bzw. Mandolinenspiel bei. Alela Diane sang sehr kraftvoll und warm und ist auf der Bühne sehr aufgeweckt, kess und selbstbewusst. Und hebt sich somit auch diesbezüglich von den vielen Schluffkes im Singer/Songwriter-Genre ab.

Das hatte alles viel Seele und Charme und war sehr reif und dicht vorgetragen.
Ein großartiges Konzert!

Mal schauen, wie es mit ihr weitergeht.